EINSATZ INTERAKTIVER WHITEBOARDS IN ÖSTERREICHISCHEN BILDUNGUNSEINRICHTUNGEN – CHANCEN UND HERAUSFORDERUNGEN

Abstract
Die vorliegende Arbeit fasst Ergebnisse wissenschaftlicher Studien zusammen, die größtenteils an britischen Bildungseinrichtungen, in denen der Einsatz interaktiver Whiteboards bereits als „Routine“ (Hammond & Ingram, 2011, S.199) bezeichnet wird, zusammen. Die Chancen der Steigerung der Motivation, der Aufmerksamkeit und des Engagements der Schüler durch den Einsatz interaktiver Whiteboards wurden durch mehrere Studien belegt, hängen allerdings in ihrer Umsetzung wesentlich vom Lehrer und dessen Akzeptanz der Technologie bzw. dessen Einarbeitung in die Hard- und Software ab. Genau hier liegen auch die Herausforderungen. Sowohl der Umgang mit dem interaktiven Whiteboard und der adä-quaten Software als auch die Interaktion mit Schülern und Whiteboard muss trainiert werden. Die verglichenen Studien zeigen jedoch, dass nach erfolgter Einführungsphase, Lehrer und Schüler vom Einsatz des interaktiven Whiteboards profitieren können.

Das interaktive Whiteboard – im englischen und amerikanischen Raum bereits fixer Bestandteil von Klassenzimmern – hält Einzug in österreichische Bildungseinrichtungen. Die Umstellung auf digital-didaktische Präsentationstechniken birgt viele Chancen und Heraus-forderungen für Lehrer. Das interaktive Whiteboard vereint die klassische Kreidetafel, White-board, Fernseher, Videorekorder, Overhead Projektor und Computer. Hall und Higgins (2005) bezeichnen das interaktive Whiteboard als ein Konglomerat von allen vorhergehenden Präsentationstechnologien, es verschafft Schülern im Klassenzimmer Zugang zu unterschiedlichsten Informationen, die gemeinsam erlebt und auch berührt werden können. Als Ergebnis der Bündelung von vielen Informationsquellen durch eine Technologie steht dem Lehrer ein „Online resource library“ (Coyle, Yanez, Verdú, 2010, S. 615) in Kombination mit einem Multimedia Präsentationsgerät im Herzen des Klassenzimmers zur Verfügung (Coyle et al., 2010).

Bereits 2005 führten die Autoren Hall und Higgins an der Universität von Newcastle eine Studie in englischen Schulen durch, bei der 10 bis 11 jährige Schüler hinsichtlich ihrer Wahrnehmung interaktiver Whiteboards getestet wurden. Die Schüler waren enthusiastisch und überrascht, wie vielseitig das Lernen mit interaktiven Whiteboards sein kann. Als Ergebnis konnte aufgezeigt werden, dass durch das interaktive Whiteboard die Aufmerksamkeit und das Engagement der Schülerinnen und Schüler gesteigert wird, eine Aussage eines Schülers fasst dies zusammen: „On that (PW) it’s really boring, you feel like you’re going to go to sleep. But on that one (IWB) you’re like still awake and I’m interested“(Hall & Higgins, 2005, S 106). Geschätzt wird des Weiteren von den Lehrern, die Wiederverwendbarkeit der Unterrichtsmaterialien, die zur Gänze am Computer erstellt werden, da diese gespeichert und kontinuierlich verbessert bzw. an Lehrpläne angepasst werden können (Coyle et al., 2010). Neben dem multimedialen Potenzial von interaktiven Whiteboards sei aber auch noch das multisensorische Potenzial zu erwähnen, durch das die Schüler die Möglichkeit haben, mit mehreren Sinnen bzw. mit dem individuell bevorzugten Sinn, Wissen zu erfassen. Vester (1975) unterscheidet beispielsweise auf Basis der bevorzugten Art der Informationsaufnahme zwischen unterschiedlichen Lerntypen, diese sind (1) die auditiven (Lernen durch Hören), (2) die visuellen (Lernen durch Beobachten) (3) die haptischen (Lernen durch Anfassen und Tun) und (4) die intellektuellen Lerntypen (Lernen durch Nachdenken und Einsicht). Das interaktive Whiteboard ist ein Werkzeug, durch das Lehrer auf die unterschiedlichsten Lerntypen eingehen können bzw. viele Lerntypen innerhalb kurzer Zeit ansprechen können. Besonders im Kindergarten und Volksschulalter spielt das multisensorische Potenzial der interaktiven Whiteboards eine bedeutende Rolle, da Kinder in diesem Alter besonders durch ihre Sinne Wissen aufnehmen (Walker-Tileston, 2004) und deshalb Farben, Bewegung, Geräusche, Musik und das physische Berühren und Verschieben von Objekten, das auf Whiteboards möglich ist, für Kinder wichtig sind.

Zahlreiche weitere Studien, wie jene von Barber, Cooper und Meeson (2007) und Levy (2002) bestätigen, dass durch den Einsatz von interaktiven Whiteboards im Unterricht (1) die Motivation, (2) die Aufmerksamkeit und (3) das Engagement während des Unterrichts gesteigert werden können. Beispielsweise berichten auch Kinder im Alter von 10 und 11 Jah-ren bei einer Studie von Wall, Higgins und Smith (2005), dass sie den Unterricht als angenehmer empfanden und der Einsatz von IWBs dazu beigetragen hat, die Konzentration der Klasse aufrechtzuhalten. Die gleichen Schüler berichten allerdings auch über störende Einflüsse, die aufgrund des Einsatzes von interaktiven Whiteboards erst entstanden sind, das führt uns zu den Herausforderungen, die die Einführung dieser Technologie mit sich bringen können. Die Schüler klagen einerseits über technische Probleme während des interaktiven Unterrichts und andererseits über die unzureichenden „IWB Skills“ (Hall & Higgins, 2005, S. 109) der Lehrer, das interaktive Whiteboard zu bedienen. Die Schüler, die an der Studie von Wall et al. (2005) teilgenommen haben, beklagen, dass sie selbst nicht mit dem Board interagieren durften, außerdem empfinden Sie es als störend, dass es während des Unterrichts häufig technische Probleme mit der Kalibrierung des Whiteboards gibt. Zwar hat sich die Whiteboard Technologie seit 2005 enorm verbessert, doch technische Hindernisse können natürlich auch noch mit den heutigen Technologien auftreten. Deshalb ist es von Bedeutung, dass mögliche Ausfälle auch präventiv trainiert werden.

Unabhängig von möglichen technischen Ausfällen, weist Levy (2002) darauf hin, dass die Motivation der Schüler, die durch das interaktive Whiteboard erhöht wird, sich möglich-erweise im Laufe der Zeit wieder verringern kann, da sich der „Neuheitswert“ eines interaktiven Whiteboards auch „abnutzen“ kann und in weiterer Folge auch die Motivation der Schüler wieder sinken kann. Dieser Zeitpunkt ist zum Zeitpunkt des Verfassens dieser Arbeit allerdings noch nicht erreicht, da aktuelle Studien diese Theorie noch nicht bestätigt haben. Enormes Engagement ist allerdings seitens der Lehrer gefragt, denn um die Vorteile von interaktiven Whiteboards nutzen zu können, ist Erfahrung im Umgang mit einem Computer notwendig, denn das interaktive Whiteboard ist „nur“ der auf das Board projizierte, interaktive Bildschirm des angeschlossenen Computers. Den Erwerb eines interaktiven Whiteboards seitens einer Bildungseinrichtung sollte also durch eine adäquate Schulung der Lehrer begleitet werden, die weit über die Bedienung des Whiteboards und dessen mitgelieferter Software hinausgeht und auch didaktische Inhalte aufweist.

Ein sehr oft genannter Vorteil des Einsatzes von Whiteboards ist die Interaktivität, die der Technologie einen entscheidenden Vorteil gegenüber anderen, oft älteren Präsentationstechniken verleiht. Die Möglichkeit der Interaktivität muss aber auch genutzt werden. Gerade in Einführungsphasen von interaktiven Whiteboards ist es zu beobachten, dass sich Lehrer auf die „Bedienung“ des Boards konzentrieren (müssen), und so die Interaktion mit den Schülern darunter leiden kann. Kennewell, Tanner, Jones und Beauchamp weisen (2007) daraufhin, dass klar zwischen der „technischen Interaktivität“, die das interaktive Whiteboard liefert, indem mit einem Stift oder den Fingern Objekte beispielsweise bewegt werden können, und der „dialogischen Interaktivität“ zwischen Lehrern und Schülern unterschieden werden muss. Der Einsatz eines interaktiven Whiteboards führt somit klarerweise nicht automatisch zu erhöhter Interaktivität zwischen Lehrern und Schülern. Wood und Ashfield (2008) bestätigen im Rahmen einer Studie, bei der Sie in fünf unterschiedlichen britischen Schulen mit interaktiven Whitboards an zehn Unterrichtseinheiten beobachteten, dass sich die Lehrer mehr auf das Übermitteln von Information durch das interaktive Whiteboard als auf die Interaktivität mit den Schülern konzentrierten. An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass es aufgrund des dicht gedrängten Lehrplanes an den Schulen auch sehr schwierig ist, Schüler ständig in den Unterricht miteinzubeziehen.

Die Betrachtung von Chancen und Herausforderungen verdeutlicht, dass das interak-tive Whiteboard viele Vorteile bisheriger Präsentationsmittel vereint und sowohl für Lehrer als auch für Schüler einen Mehrwert bringen kann. Die erfolgreiche Implementierung von interaktiven Whiteboards im Unterricht liegt allerdings größtenteils am Lehrer selbst, dieser Mehrwert muss erst einmal erarbeitet werden, indem sich der Lehrer mit der neuen Hard- und Software auseinandersetzt. Da schon jetzt kaum Zeit für Weiterbildung vorhanden ist, sollte die Einführung von interaktiven Whiteboards organisatorische Änderungen mit sich ziehen, die den Lehrern auch Freiräume für das Training an der neuen Technologie verschaffen. Ist die Einarbeitungsphase erst einmal überwunden und wird der Umgang mit der neuen Technologie zur Routine – so wie es in Großbritannien bereits beobachtet wird – profitieren sowohl Lehrer als auch Schüler vom Einsatz interaktiver Whiteboards. Darüber hinaus ist der Unterricht mit interaktiven Whiteboards eine notwendige berufsvorbereitende Maßnahme, nicht nur für Bildungsberufe, sondern auch für Berufe in anderen öffentlichen Einrichtungen und Unternehmen.

PRILLER, Linz, Österreich